Ein Traum für Autoren

Viele werden sicherlich an den Zutaten festmachen, ob etwas zur Science Fiction gehört: Raumschiffe, Roboter, Leute mit eigenartigen Wülsten auf dem Kopf, Laserschwerter oder sterile Hallen als Innenarchitektur. Meine Definition für SF war immer eine andere und bezieht damit ungleich viel mehr ein: Ein kleines Detail ändern, eine Gewissheit umstellen, eine Regel auf den Kopf stellen und dann ausspielen, was passiert. Gar nicht so sehr – was oft in den Vordergrund gestellt wird – das Erfinden umfangreicher phantastischer Szenarien, mit allen Details, alles neu, alles verschieden vom heute. Nein, nur eine kleine Sache abändern und sich dann darauf einlassen, was sich entwickelt.

Ein paar Beispiele: Wir ändern das Detail, dass einige Menschen nicht mehr altern und konfrontieren das mit der Welt wie sie bisher ist. Oder Menschen können digitale Kopien von sich anfertigen und bekommen dadurch ungewöhnliche Beziehungsprobleme. Jemand erfindet eine Zeitmaschine und reist damit in eine bisher unberührte Vergangenheit. Und schließlich: ein Gärtner eröffnet sein neues Gewächshaus. Nur… ist es auf dem Mond. Sie sehen das Prinzip. Ein Detail an der Default-Reality ändern und dann sehen, welche Welt sich daraus entwickelt.

HandwerkHumor

Und damit passt Science Fiction als Genre einfach prototypisch zu Drehbuchautoren. In anderem Gewand ist das nämlich eine der Basistechniken. John Vorhaus beschreibt das in „Handwerk Humor“ als die komische Prämisse: Dinge aufeinanderprallen zu lassen, die harmlos ausgedrückt widersprüchlich sind. „Kontextueller Zusammenprall“, „Fish out of water“, „Zwangsgemeinschaft“  sind typische Beispiele. Reicher gerät in Armenviertel, Teenager in Erwachsenenkörper, Polizist bekommt unmöglichen Partner an die Seite gestellt. In einer normalen Welt ein Detail verändern, um aus der Konfrontation heraus eine spannende Entwicklung zu garantieren. Eben auch wie ein Zeitreisender, der im Mittelalter landet. Je extremer der Unterschied, desto größer das Entwicklungspotential. Manche unmöglichen Paarungen der Filmgeschichte musste man nur aufeinander loslassen und das ergab die Story. Was für Komödien und Buddymovies gilt, findet sich umso intensiver in der Science Fiction, denn dort ist das die Basisprämisse der ganzen Gattung. Science Fiction ist also der Traum jedes Drehbuchautoren. Daraus sollten wir etwas machen.

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