Passgenaue Genre

Vielleicht ist es einigen ja eher nicht recht, über die Untergenres der Science Fiction nachzudenken. Man will ja beim Schreiben in Bereiche vorstoßen, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Da ist eine Schublade wie ein Genre eher ungelegen. Die legt ja nahe, sich an ein Schema anzupassen, das schon oft zur Anwendung kam.

Blakeheadshot_croppedTrotzdem rät der Drehbuchberater Blake Snyder („Save the cat“), sein Genre genau zu kennen, alle Filme zu analysieren, die in dieses Genre fallen und erfolgreich waren und sich dann an die Spielregeln zu halten. Seine Argumentation ist, dass bestimmte Genrestrukturen „gelernt“ sind. Ein Zuschauer wäre irritiert, wenn es plötzlich anders weitergehen würde als in bisherigen Filmen. Und die Produzenten, die das Drehbuch überhaupt erst einmal in Betracht ziehen müssen, würden ebenfalls nicht auf Anhieb verstehen, worum es geht.

Das ist sicherlich für einen Kreativen ein frustrierender Rat. Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, sich damit zu versöhnen. Ich glaube Genres funktionieren nicht deshalb, weil das schon einmal jemand so als Film umgesetzt hat, sondern sie gehen weiter zurück in der menschlichen Kultur. Bestimmte Formen von Geschichten passen besonders leicht in unser Gehirn, weil sie dem Erleben der Menschen seit Tausenden von Jahren entsprechen. Bestimmte Dinge, Zusammenhänge, Abläufe waren überlebenswichtig und so reagieren wir darauf schneller. Und sie wirken existentieller. So wird das scheinbar oberflächliche Genre plötzlich etwas Tiefgründiges. Nicht umsonst sprechen Drehbuchtrainer so oft von Archetypen, Mythen und ähnlichem.

Bei Snyder bedeuten Genres ein wenig etwas anderes als bei Kaffeehaus-Gesprächen von Science-Fiction-Aficionados. Die reden über Space Opera und Inner Space. Dazu kommen wir gleich.

Snyder meint allgemeinere Genres, gibt aber auch einige Science-Fiction-Filme als Beispiel. Seine zehn „generischen“ Filmgenre sind:

  • Monster in the house (Alien)
  • Golden Fleece (Star Wars)
  • Out of the bottle
  • Dude with a problem
  • Rites of passage
  • Buddy Love
  • Whydunit
  • The Fool Triumphant
  • Institutionalized
  • Superhero

Ich werde auf die einzelnen Genretypen in diesem Blog bei Gelegenheit zurückkommen. Wichtig an dieser Stelle erst einmal: Solche Genres sind ziemlich unabhängig von dem Kontext in den sie gestellt werden. Will ich einen Buddy Love Film (Laurel und Hardy, Butch Cassidy and Sundance Kid …) schreiben, kann das ebenso ein Western sein, wie ein Krimi oder eben ein Science-Fiction-Film. Und damit kann ich mir auch Filme dieses generischen Genres anschauen, die aus einer anderen Kategorie kommen und die Struktur ergründen. Eben einen genialen Buddy Love Krimi nehmen und ihn ins All transportieren. Snyders Rat: Überlegen, in welche Kategorie das eigene Drehbuch-Vorhaben fällt. Dann die besten Filme aus diesem Genre ansehen und vergleichen, was sie jeweils besonders auszeichnet. Aber auch was die „ehernen Gesetze“, die Gemeinsamkeiten sind. Und dann: „Give me the same thing … only different!“

Und jetzt zu den Kaffeehausdiskussionen. Im nächsten Blogbeitrag.

Quelle Photo Blake Snyder: http://www.savethecat.com/

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